Zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar

Vor 76 Jahren, am 27. Januar 1945, befreite die Rote Armee die nur noch wenigen Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz. 1,1 bis 1,5 Millionen Menschen waren dort ermordet worden – vor allem Juden, aber auch Sinti und Roma, sowjetische Kriegs- und viele politische Gefangene sowie unzählige Andere, die nicht in das Weltbild der Nazis hineinpassten. Sie waren Angehörige unterschiedlichster Nationalitäten. Auschwitz ist DAS Menschheitsverbrechen! Es wurde verübt durch den deutschen Faschismus, den die deutschen Eliten 1933 nach formell demokratischen Wahlen an die Macht gebracht hatten. Der 27. Januar ist seit 1996 in Deutschland und seit 2005 weltweit Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus (besser sollte man vom Faschismus sprechen, denn “Nationalsozialismus” ist, wie 1938 die “Reichskristallnacht”/statt Pogromnacht, ein Eigenbegriff der Nazis zur Verschleierung ihrer verbrecherischen Ziele, und der „Nationalsozialismus“ war das genaue Gegenteil von nationalen Interessen und hatte mit Sozialismus nichts, aber auch gar nichts gemein).

 

Die Armeen der Alliierten zerschlugen die Kriegs- und Vernichtungsmaschinerie des deutschen Faschismus, die unendliches Leid über die Welt und besonders über die Völker Ost- und Südosteuropas gebracht hatte. Sie beendeten damit auch den Opfergang von Millionen. Es waren nur wenige, aber doch: Auch standhafte Deutsche leisteten einen unschätzbaren Beitrag im Widerstand gegen das verbrecherische Hitlerregime. Sie schufen mit ihren Taten überragende Voraussetzungen dafür, dass unser Land wieder einen Platz in der Völkergemeinschaft einnehmen konnte. Selbst die großbürgerliche „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ schrieb 1998 zum Beitrag mutiger, zumeist einfacher Leute: „Der politisch motivierte Wiederstand war … zu 75 Prozent kommunistischer, zu zehn Prozent sozialdemokratischer und … zu drei Prozent christlich-bürgerlicher Widerstand.“

 

Überall in Deutschland wird den Widerstandskämpfern unterschiedlichster Herkunft und Überzeugungen gedacht. So auch in unserem Borkwalde.

 

Doch wir verzeichnen flächendeckend in Deutschland zunehmend Angriffe auf Synagogen und Moscheen, auf Menschen, die sich zu ihrer Religion, Weltanschauung und Lebensweise auch öffentlich bekennen. Wie in Halle, Hanau und anderenorts verüben rassistische Täter blutige Verbrechen. Gerade auch deshalb ist die Auseinandersetzung mit unserer historischen Verantwortung wichtiger denn je. Das bedeutet aber vor allem, sich heute entschieden gegen jede Form von Neofaschismus, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit zur Wehr zu setzen. Auch in unserem Borkwalde. Es ist nicht zu leugnen: Wir haben in unserer Gemeinde ein Rechtsextremismusproblem. Hunderte rechtschaffender Menschen, Demokraten, in unserem Ort betrifft das nicht in Ansätzen. Im Gegenteil. Aber: Es zeigt sich – wiederum bei freien Wahlen – , dass rund 20 Prozent der Bürgerinnen und Bürger bei uns für eine rechtsextreme, fremden- und verfassungsfeindliche Partei votieren, sicher ohne in der Mehrzahl selbst rechtsextrem zu sein, sondern um „denen da oben mal die Meinung zu sagen“. Und was soll man darüber denken, wenn es bei der Entscheidung über die Umbenennung des nach dem – wie sich erst nach Jahren herausstellte – Hitlerverehrer Sven Hedin benannten Platzes (jetzt Alfred-Nobel-Platz) vor gut einem Jahr Stimmenthaltungen von Gemeindevertretern gab?

 

„Ihr aber lernet, wie man sieht, statt stiert

Und handelt, statt zu reden noch und noch.
So was hätt‘ einmal fast die Welt regiert!
Die Völker wurden seiner Herr, jedoch
Dass keiner uns zu früh da triumphiert –
Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“

 

So mahnte uns Bertold Brecht. Beherzigen wir das alle. Am Gedenktag des 27. Januar und zu jeder Zeit!

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